Die Digitalisierung ist eine Bauaufgabe im ländlichen Raum

Die Digitalisierung ist eine Bauaufgabe im ländlichen Raum

Digitalisierung@Land

In seinem Vortrag hob Thomas Schmid als Vorsitzender des Förderkreises Bodenordnung und Landentwicklung die Bauaspekte der Digitalisierung hervor.

Die 22. Münchner Tage für nachhaltiges Landmanagement am 23. und 24. März 2022 hatten das Thema Digitalisierung@Land – Potenziale und Herausforderung für ländliche Räume. Im Einführungsvortrag stellte BBIV-Hauptgeschäftsführer Thomas Schmid, zugleich Vorsitzender des Förderkreises Bodenordnung und Landentwicklung e.V., die „realen Fundamente der Digitalisierung im ländlichen Raum“ hervor. Die „Digitalisierung“ des ländlichen Raumes ist auch mit Bauaufgaben verbunden, nicht nur mit Software- und Apps, so Schmids Kernaussage.

Thomas Schmid, Hauptgeschäftsführer BBIV © Gérard Pleynet

Digitalisierung und Mobilität im ländlichen Raum gehören zusammen.

Digitalisierung und Mobilität haben zusammen das Potential, einen gewichtigen Teil beizutragen zur Verwirklichung des Zieles Gleichwertige Lebensverhältnisse in ganz Bayern, in Stadt und Land, das seit Herbst 2014 Bestandteil der Verfassung des Freistaats Bayern ist.

Das Projekt Bayern Mobilität 2030 hat die Bayerische Bauindustrie von 2014 an entwickelt als ihren Beitrag zum neuen Verfassungsziel. Bayern Mobilität 2030 wurde von Anfang an von der Bayerischen Staatsregierung, insbesondere dem damaligen Ministerpräsidenten Horst Seehofer und dem damaligen Verkehrsminister Joachim Herrmann tatkräftig unterstützt. Den Abschlußbericht – die Position Bayern Mobilität 2030 – überreichte BBIV-Präsident Josef Geiger am 18. Mai 2017 an MP Seehofer. Die Staatsregierung sagte die finanzielle Förderung von drei Modellprojekten zu, die sich jeweils mit der konkreten Umsetzung eines für sie speziell geeigneten Vorschlags aus Bayern Mobilität 2030 befassen. Die drei Modellregionen und ihre Projekte sind (alphabetisch) die Landkreise:

  • Bayreuth: Entwicklung von Mobilitätsstationen im Ländlichen Raum
  • Berchtesgaden-Land: Vernetzung im ÖPNV im grenznahen Raum
  • Cham: ÖPNV-Angebote für Schwachlastzeiten im ländlichen Raum auf Basis digitaler Systeme.

Die drei Modellregionen haben mit von der Staatsregierung finanzierten Studien die Umsetzungsmöglichkeit ihrer Ideen erfolgreich nachgewiesen und arbeiten jetzt konkret an ihren Projekten.

In allen drei Projekten hat die „Digitalisierung“ nicht nur einen großen Anteil, sie ist die Voraussetzung für solche Projekte.

Als Beitrag zum Verfassungsziel Gleichwertige Lebensverhältnisse hat die Verkehrsinfrastruktur eine doppelte Funktion: Sie verbindet erstens Stadt und Land und ermöglicht so, daß beide Raumtypen jeweils voneinander profitieren können: Die Städter können den Ländlichen Raum für Freizeit und Erholung nutzen, aus den Ländlichen Raum kommt man dann gut zu den Arbeitsplätzen, Bildungs-, Gesundheits-, Kultureinrichtungen in den Städten. Zweitens ist eine gut ausgebaute Verkehrsinfrastruktur und ein gut funktionierendes Mobilitätsystem ein wichtiges Ausstattungsmerkmal jedes lebenswerten Raumes. Die Verkehrsinfrastruktur hat als reales Fundament eines gut funktionierenden Mobilitätssystems die zentrale Funktion

Die Digitalisierung hilft beim Flächensparen und der Energieeffizienz

Die Digitalisierung des ländlichen Raums erfordert massive Bauinvestitionen – nämlich einerseits ein Netz „digitaler“ Datenleitungen: Der Leitungsbau allgemein ist eine Domäne der Bauindustrie. Die Leitungsbauspezialisten der bayerischen Bauindustrie sind personell und technisch bestens ausgestattet dafür. Bautechnisch macht es keinen großen Unterschied, welche Art von Leitung man verlegt. Datenleitungen als Erdkabel sind im Prinzip genauso zu verlegen wie Stromkabel oder andere Leitungen.

Ein weiteres mit der Digitalisierung im ländlichen Raum verbundenes Bauthema sind die Standorte und Gebäude für Rechenzentren oder Serverfarmen. Auch hier bietet es sich an, diese Strukturen wegen ihrer Größe, ihres Energiebedarfs, aber genauso auch, damit sie nahe bei den Nutzern sind, im ländlichen Raum anzusiedeln. Es müssen nicht immer Neubauten sein: Leerstehende Fabrikgebäude etc. können sich auch dazu eignen. Anzustreben wären Standorte in der Nähe größerer Windparks oder anderer „erneuerbarer“ Kraftwerke: Der Stromtransport über längere Strecken geht mit hohen Energieverlusten einher, beim Transport digitaler Daten ist das nicht der Fall.

Was muß geschehen aus Sicht der Bauwirtschaft

Der Breitbandausbau in den ländlichen Räumen, mehr Antennen für den Mobilfunk, Serverstandorte im ländlichen Raum – das sind alles Bauthemen. Die Herausforderung ist aber nicht das Bauen, sondern es sind – wieder – die langen und aufwändigen Planungs- und Genehmigungsverfahren.

Abschließend stellte Schmid fest: „Ich bin überzeugt davon, dass die „Digitalisierung“ einen großen Beitrag zu mehr Gleichwertigkeit der Lebensverhältnisse in Stadt und Land leisten kann.“