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Wie funktioniert der Baumarkt?

Kein Produktmarkt, sondern Dienstleistung

Die Bauwirtschaft ist ein Gewerbe, das eine Leistungsbereitschaft verkauft. Verkauft wird die Fähigkeit, ein Bauwerk zu errichten - also eine Dienstleistung. Mit wenigen Ausnahmen (u.a. Fertighaushersteller) geht es nicht um fertige Produkte.

Das hat weitreichende Konsequenzen: Eine Dienstleistung ist nicht lagerfähig. Ein Produkthersteller kann zumindest zeitweise auf Lager produzieren, wenn seine Nachfrage unzureichend ist. Ein Bauunternehmen kann das nicht.

Der daraus entstehende Zwang zum Anschlussauftrag, dem fast immer irgendein Bauunternehmen unterliegt, verdirbt dann aber den Baupreis für alle. Denn in dieser Situation ist der Bauunternehmer um jeden Euro froh, den er einnimmt. Ihm genügt ein Deckungsbeitrag, an Gewinn wagt er da gar nicht zu denken.

Verschärft wird diese Notlage dadurch, dass der Preis das alleinige Kriterium ist, auf das es ankommt. Durch gute Bauqualität gewinnt man keinen Auftrag, sie wird schlicht vorausgesetzt bzw. vertraglich erzwungen. Die Chance auf einen Auftrag hat in der Bauwirtschaft somit nur der Billigste. Und das ist derjenige mit den geringsten Personalkosten.

Der Bau braucht sinnvolle Regeln

Daher braucht die Bauwirtschaft einen allgemeinverbindlichen Tarifvertrag als sinnvolle Regulierung ihrer Lohnkosten.

Eine besondere Herausforderung für die deutsche und speziell die bayerische Bauwirtschaft stellt die EU-Erweiterung dar. Die Löhne in den neuen EU-Ländern betragen teilweise nur ein Zehntel des deutschen Niveaus. Ungeschützt würde die deutsche Bauwirtschaft dieses Aufeinanderprallen zweier höchst ungleicher Kostenniveaus nicht überleben.

Deshalb müssen wir versuchen, hier steuernd einzugreifen. Für die Kontrolle und Steuerung dieses Anpassungsprozesses dienen uns unsere allgemeinverbindlichen Mindestlöhne I und II.

Ziel ist nicht, die Anpassung zu verhindern, sondern Zeit zu gewinnen. Den dadurch gewonnenen Zeitrahmen müssen die Bauunternehmen zur Anpassung ihrer Strukturen nutzen.

Bauindustriepräsident Prof. Thomas Bauer im Interview