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Von der grauen zur grünen Fabrik

Energiewende

Von der grauen zur grünen Fabrik
Soll die Energiewende gelingen, müssen Fabriken und Gewerbebauten weitaus energieeffizienter werden. Bis zu zehn Prozent ihrer Gesamtkosten wenden produzierende Betriebe derzeit für Energie auf. Das Einsparpotenzial ist enorm. Wie es ausgeschöpft werden kann, erörterte die Fachtagung „Grüne Fabriken“ von BBIV und BayIKa am 6. November.

Drei Erkenntnisse kristallisierten sich bei der gemeinsam von der Bayerischen Ingenieurekammer Bau und dem Bayerischen Bauindustrieverband e.V. organisierten Tagung „Grüne Fabriken“ am 6. November in München heraus:

  • Die Steigerung der Energieeffizienz hat Vorrang vor dem Ausbau der Nutzung erneuerbarer Energien. Gerade im Bestand steckt dafür ein riesiges Potenzial. 
  • Die Realisierung grüner Fabriken muss als ganzheitlicher Ansatz betrachtet werden. 
  • Der Wandel hin zur grünen Fabrik ist ein Lernprozess, den Netzwerke und Erfahrungsaustausch inspirieren und beschleunigen können.

Grüne Fabriken sind eine Ingenieursaufgabe

„Wir alle wollen nachhaltiger leben und unseren Kindern und Enkeln eine lebenswerte, intakte Umwelt hinterlassen“, mit diesen Worten eröffnete Dr. Heinrich Schroeter, Präsident der BayIKa, die Tagung. Wie kann man Energie einsparen, wie kann man sie effizienter nutzen, wie kann man sie gar „recyceln“? Diese Fragen würden Privatpersonen wie Unternehmen aktuell umtreiben. Die Entwicklung und Umsetzung von Lösungswegen bleibe freilich Sache der Ingenieure. Aus diesem Grund widme die Bayerische Ingenieurekammer dem Thema Energieeffizienz besondere Aufmerksamkeit. 

Priorität Nr. 1: Energieverbrauch senken

Nach Auffassung von Prof. Wolfgang Mauch, Geschäftsführer der Forschungsstelle für Energiewirtschaft e.V., müsse man im ersten Schritt erreichen, dass weniger Energie per se verbraucht wird und diese dann möglichst aus regenerativen Quellen beziehen. Auch müsse die ganze Palette an Maßnahmen zur Ressourcenschonung und Klimaschutz bei der Energieerzeugung und -nutzung ins Visier genommen werden.

Ganzheitlich denken

Für einen ganzheitlichen Ansatz plädierte auch Sven Kreitlein, Geschäftsführer des Forschungsverbundes Green Factory Bavaria. Die Realisierung grüner Fabriken bestünde aus Verbesserungen bei der Erzeugung und Nutzung erneuerbarer Energien, aber auch aus Neuerungen bei energieeffizienten Prozessen, einer intelligenten Steuerungs- und effiziente Antriebstechnik, der Optimierung der Energieeffizienz im Produktlebenszyklus sowie dem Einsatz neuer Werkstoffe in Produkten und Prozessen.

Den Menschen nicht vergessen 

Prof. Egon Müller von der TU Chemnitz charakterisierte die energieeffiziente Fabrik als neuen Fabriktyp, der mit minimalem Energieverbrauch arbeite, energieoptimierte Systeme und Prozesse beinhalte, auf geschlossene Energiekreisläufe abziele und darüber hinaus Energiemanagement und regenerative Energien integriere. Spielraum für technische Innovationen etwa bei der Beleuchtung, Druckluft, Pumpensystemen, Wärmeversorgung etc. sei zwar vorhanden. Das alleine reiche jedoch nicht aus. Man dürfe nicht vergessen, dass es bei einem solch gravierenden Wandel wie der Energiewende zuerst um den Menschen gehe, den es für das Thema Energieeffizienz weiter zu sensibilisieren gilt. Dafür böten Netzwerke und Projekte „lernender Fabriken“, wie sie von der TU Chemnitz angeboten werden, eine konstruktive Plattform.

Grüner Gedanke lebt vom Austausch 

Den Aufruf nach einem stärkeren Austausch unterstützt auch Prof. Mauch. Der „grüne Gedanke“ lebe nur durch die permanente Diskussion über die Themen Effizienz, Energieeinsparung und Ressourcenschonung.

Resümee der Tagung 

Prof. Reinhold Krämmel, Vorstandsmitglied des BBIV, lobte in seinem Resümee die thematische Bandbreite der Veranstaltung. Als roten Faden identifizierte er die Stichworte Nachhaltigkeit und integrales Denken. So gehe es bei grünen Fabriken nicht nur darum die Dämmung der Gebäudehülle zu betrachten, sondern auch betriebsinterne Prozesse und die richtige Kombination innovativer Methoden zur Energieerzeugung wie Photovoltaik, Geothermie, Solarthermie und Kraftwärme-Kopplung zu eruieren. Vor allem aber sei die Überzeugungsarbeit in der Öffentlichkeit zu verstärken: „Die Energiewende muss in 80 Millionen Köpfen umgesetzt werden“, so Prof. Krämmel abschließend.