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Modern bauen - Neue Wege für den öffentlichen Wohnungs- und Hochbau
Partnerschaftliche Beschaffungsmodelle · Funktionale Ausschreibungen · Modulares und serielles Bauen
Steigende Baukosten, Fachkräftemangel und begrenzte Planungskapazitäten stellen öffentliche Auftraggeber vor große Herausforderungen. Gleichzeitig wächst der Bedarf an Wohnraum sowie an Schulen, Kindertagesstätten, Krankenhäusern und weiterer öffentlicher Infrastruktur.
Öffentliche Bauvorhaben werden häufig noch in einer Vielzahl von Fach- und Teillosen ausgeschrieben. Dadurch bleiben Potenziale moderner Beschaffungs- und Baukonzepte vielfach ungenutzt. Insbesondere serielle und modulare Bauweisen können ihre wirtschaftlichen und zeitlichen Vorteile unter diesen Rahmenbedingungen häufig nicht vollständig entfalten.
Die Folgen
- Höhere Baukosten
- Längere Planungs- und Bauzeiten
- Hoher Koordinierungsaufwand
- Begrenzte Nutzung innovativer Baukonzepte
- Zusätzliche Belastung knapper Planungsressourcen
Planung und Bau gemeinsam denken
Die klassische Trennung von Planung und Bauausführung stößt bei vielen Projekten an ihre Grenzen. Partnerschaftliche Beschaffungsmodelle ermöglichen eine frühzeitige Zusammenarbeit zwischen Auftraggebern, Planern und ausführenden Unternehmen. Dadurch können Projekte effizienter geplant, wirtschaftlicher umgesetzt und Terminrisiken reduziert werden.
Bewährte Modelle
- Generalunternehmer- (GU) und Generalübernehmerverträge (GÜ)
- Design-and-Build
- Zwei-Phasen-Modelle
- Partnering
- Bauteam-Verfahren
- Öffentlich-Private Partnerschaften (ÖPP)
Vorteile
- Entlastung öffentlicher Auftraggeber
- Frühzeitige Einbindung von Ausführungs- und Planungskompetenz
- Höhere Kosten- und Terminsicherheit
- Weniger Schnittstellen und geringerer Koordinierungsaufwand
- Wirtschaftliche und praxisgerechte Lösungen
Generalunternehmer und Design-and-Build
Generalunternehmer (GU)
Der Generalunternehmer übernimmt die Koordination sämtlicher Bauleistungen und trägt die Verantwortung für deren Ausführung.
Vorteile
- Ein zentraler Ansprechpartner
- Klare Verantwortlichkeiten
- Reduzierter Abstimmungsaufwand
- Höhere Termin- und Kostensicherheit
Design-and-Build
Beim Design-and-Build-Modell werden Planung und Bauausführung von Beginn an integriert. Dadurch können Planungs- und Bauprozesse optimal aufeinander abgestimmt werden.
Vorteile
- Planung und Ausführung aus einer Hand
- Kürzere Projektlaufzeiten
- Optimierte Planungsprozesse
- Besonders geeignet bei begrenzten Planungskapazitäten
Praxisbeispiel: Gästehaus Stockdorf
Ausgangslage
Der Bayerische Bauindustrieverband plante 2023 die Errichtung eines modernen Gästehauses für Auszubildende am Bildungszentrum Stockdorf.
Umsetzung
- Funktionale Ausschreibung
- Zwei-Phasen-Modell mit Ideenwettbewerb
- Zulassung serieller und modularer Baukonzepte
Ergebnis
- Alle eingereichten Entwürfe basierten auf seriellen oder modularen Bauweisen.
- Die Angebote lagen deutlich unter den Kosten einer konventionellen Vergabe.
- Die geplante Bauzeit konnte erheblich verkürzt werden.
Fazit: Innovative Vergabemodelle eröffnen den Zugang zu wirtschaftlichen und leistungsfähigen Baukonzepten.
Serielles und modulares Bauen
Modulares Bauen
Komplette Raummodule werden industriell vorgefertigt und auf der Baustelle innerhalb kurzer Zeit zu einem Gebäude montiert.
Serielles Bauen
Standardisierte Bauteile und Baugruppen werden industriell hergestellt und effizient auf der Baustelle zusammengefügt.
Die Vorteile auf einen Blick
Wirtschaftlichkeit
- Hohe Kostentransparenz
- Optimierter Materialeinsatz
- Skaleneffekte durch Standardisierung
Qualität
- Industrielle Fertigung unter kontrollierten Bedingungen
- Hohe Präzision
- Weniger witterungsbedingte Mängel
Schnelligkeit
- Parallele Fertigung und Baustellenvorbereitung
- Kurze Montagezeiten
- Frühere Nutzung der Gebäude
Flexibilität
- Erweiterbar und anpassungsfähig
- Geeignet für unterschiedliche Nutzungsanforderungen
Fachkräftemängel
- Geringerer Personalbedarf auf der Baustelle
- Effizientere Arbeitsabläufe
- Höhere Produktivität
Nachhaltigkeit
- Ressourcenschonender Materialeinsatz
- Gute Voraussetzungen für zirkuläres Bauen
- Wiederverwendung von Bauteilen
- Reduzierung von Bauabfällen
Besonders geeignet für
- Wohnungsbau
- Schulen und Kindertagesstätten
- Kliniken und Pflegeeinrichtungen
- Hochschulen und Forschungsgebäude
- Bundeswehrliegenschaften
- Kommunale Hochbauprojekte
Fazit
Partnerschaftliche Beschaffungsmodelle sowie serielle und modulare Bauweisen ermöglichen es öffentlichen Auftraggebern, Bauprojekte schneller, wirtschaftlicher und mit hoher Qualität umzusetzen. Gleichzeitig werden knappe Planungsressourcen entlastet und innovative Lösungen frühzeitig in den Planungsprozess eingebunden. Bei geeigneten Bauaufgaben sollten serielle und modulare Bauweisen sowie funktionale Ausschreibungen frühzeitig geprüft werden. Sie leisten einen wichtigen Beitrag zur Bewältigung der Herausforderungen im Wohnungs- und Hochbau. Schneller. Wirtschaftlicher. Nachhaltiger. Modern bauen.