„Der Landkreis Hof erhält diesen Preis, weil er die Fenster aufgemacht hat für den Markt der neuen Dienstleistungen unserer Bauindustrie. Das Ergebnis, das Schulprojekt im Landkreis Hof, ist ein ausgezeichneter Beleg dafür, wie partnerschaftlich öffentliche Hand und Privatwirtschaft im PPP-Modell (Public Private Partnership) zusammenwirken können.
Dabei stehen nicht nur die hohe Wirtschaftlichkeit und Qualitätssicherung über den gesamten Lebenszyklus hinweg im Vordergrund, sondern vor allem auch die Funktion von PPP als „Suchradar“ für Ideen und Innovationen. Solch ein zukunftsweisendes Engagement verdient eine besondere Anerkennung“, befand Senator E.h. Gerhard Hess, Hauptgeschäftsführer des Bayerischen Bauindustrieverbandes e.V., anlässlich der Verleihung des diesjährigen PPP-Förderpreises der Bayerischen Bauindustrie am 21. Juli 2010 im Landratsamt Hof.
Der Landkreis habe mit seiner Entscheidung für PPP nicht nur eine einfache Bau-Leistung mit Sanierung und (Aus-)Bau von vier Schulen an drei Standorten im Landkreis Hof einge-kauft, sondern seine Partner-Unternehmen damit betraut, bereits in der Projektierung zu beraten und die Schulen anschließend über einen Zeitraum von über 20 Jahren zu pflegen und zu betreiben.
Der PPP-Förderpreis dient als Auszeichnung für ein besonders gelungenes kommunales PPP-Projekt in Bayern. Er ist mit 10.000,- Euro dotiert und geht in diesem Jahr zu gleichen Teilen an den Landkreis Hof, vertreten durch Landrat Bernd Hering auf öffentlicher Seite und an den privaten Partner, die ARGE PPP Schulen Landkreis Hof, vertreten durch Frank Jainz (Bilfinger Berger AG), Ewald Weber (Franz Kassecker GmbH) und Jörn Ettenhofer (HSG Zander GmbH).
„Wir sind sehr stolz, mit diesem PPP-Projekt – der größten Baumaßnahme in der Geschichte unseres Landkreises – eine Vorreiterrolle in der Region zu übernehmen und unseren vier Schulen modernste Schulgebäude und eine zukunftsorientierte Ausstattung zur Verfügung zu stellen“, freute sich Landrat Bernd Hering. Vor allem, so betonte Hering, sei das Projekt ein regelrechter Auftragsmotor und Gewinn für die Firmen in der Region. Denn der PPP-Generalunternehmer gebe 83 bis 100 Prozent der Aufträge an Betriebe aus der näheren Umgebung weiter. „Hätten wir die Sanierungsmaßnahmen auf regulärem Wege gemacht, hätte sich das über 12 Jahre hingezogen – und wir hätten Prioritäten zwischen den Schulen setzen müssen. So geht das viel schneller und wir bekommen gleichzeitig vier neue Schulen“, hob Hering die zeitlichen Vorzüge von PPP hervor. Mit dem „Hofer Modell“ habe sich der Landkreis für sein Projekt sogar eine eigene PPP-Variante maßgeschneidert. So ließen sich die Vorteile von PPP nutzen, ohne den klassischen Nachteil, nämlich die etwas teurere Privatfinanzierung, in Kauf nehmen zu müssen: Der Landkreis regelt die Finanzierung über kommunale Kredite einfach selbst. Das Projekt umfasse einen Kostenrahmen von knapp 56 Millionen Euro, erklärte Hering, und dank PPP konnten die Kosten um rund 10 Prozent gesenkt werden. „Diese zwölf Millionen Euro Einsparung sind beileibe kein Pappenstiel!“.
Auch Ministerialrätin Gabriele Engel von der Obersten Baubehörde im Bayerischen Staatsministerium des Innern und Jurymitglied bei der Förderpreisverleihung, bestätigte: „So ein PPP-Kooperations-modell ist etwas für analytisch konzeptionelle Denker, die sich auch an etwas Neues herantrauen.“ Bei PPP könne man zwar keinesfalls nach fertigen Rezepten agieren, aber mit kreativen Denkanstößen sei es möglich, viel Geld zu sparen.
Prof. Dr.-Ing. Josef Zimmermann, Ordinarius am Lehrstuhl für Bauprozessmanagement und Immobilienentwicklung an der Technischen Universität München und ebenfalls Jurymitglied, beschrieb PPP als „zielorientiertes Zusammenwirken schlauer und kreativer Köpfe“. So sei es vor allem die Nachhaltigkeit, die aufgrund des Lebenszyklusansatzes von PPP für sich spreche: „Nachhaltig sind nämlich Gebäude, die optimal funktionieren. Nachhaltigkeit müssen wir bauen und im Betrieb realisieren.“ Der größte Aspekt der Nachhaltigkeit sei jedoch die Bildung, so Zimmermann, Bildung über Generationen, wie auch Gebäude über Generationen überlebten. Gerade deshalb sei es schön, dass es sich beim PPP-Projekt in Hof um Schulen handle, Gebäude, die für die Bildung junger Menschen gebaut würden.
Auch die Vertreter der ARGE-Partner waren sichtlich stolz auf die besondere Auszeichnung: „Durch die von Anfang an konstruktive Zusammenarbeit und das faire Miteinander haben wir ein gelungenes Projekt für alle Beteiligten geschaffen. Wir liegen überall gut im Zeitplan und können die Schulen fristgerecht übergeben“, erklärte Ewald Weber, Geschäftsführer der Franz Kassecker GmbH. Frank Jainz, Mitglied der Geschäftsführung der Bilfinger Berger Hochbau GmbH, betonte ebenfalls die partnerschaftliche Vorgehensweise: „Da alle Beteiligten schon so früh involviert wurden, können wir an den Schulen im Landkreis Hof auch ein besonders innovatives Technikkonzept umsetzen. Die Schulen werden z.B. alle mit interaktiven Whiteboards, d.h. modernsten elektronischen Tafeln, anstatt herkömmlicher Kreidetafeln ausgestattet. Diese Technik haben wir bereits bei einem PPP-Projekt für Schulen in Halle erfolgreich eingesetzt.“
Zu spontanem Beifall im Publikum führte auch die Entscheidung der Preisträger, das Preisgeld zu bündeln und als gemeinsame Spende an die Schulen weiterzugeben: Mit dem Geld werden alle vier Schulen mit hochmodernen „digitalen Schwarzen Brettern“ ausgestattet. „Das ist wirklich stark“, freute sich einer der anwesenden Schulleiter, „damit haben wir nicht gerechnet!“
<Autor/in: Jeanette Hübner>